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<title>Hunerich</title>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Hunerich</b> (auch <b>Hunericus, Hunirix</b>;<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> * um 420; † <a href="484" title="484">484</a>) war der Sohn von <a href="Geiserich" title="Geiserich">Geiserich</a> (389–477) und von 477 bis 484 König der <a href="Vandalen" title="Vandalen">Vandalen</a>.
</p><p>Die Quellenlage zum Leben Hunerichs ist sehr dürftig und nur wenige Daten lassen sich relativ sicher ermitteln. Wichtigste Quelle ist <a href="Victor_von_Vita" title="Victor von Vita">Victor von Vita</a>, dessen Darstellung aufgrund Hunerichs Religionspolitik allerdings nicht immer objektiv ist.
</p><p>Zum Geburtsjahr Hunerichs um 420 gibt es nur eine Quelle, die vermuten lässt, dass er in Spanien, noch vor dem vandalischen Übergang nach <a href="Africa" title="Africa">Africa</a> 429 geboren sei. Er war 435 oder 442 eine Geisel am <a href="Westr%C3%B6misches_Reich" title="Weströmisches Reich">weströmischen</a> Hof.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> 442 wurde er mit der erst dreijährigen Prinzessin <a href="Eudocia" title="Eudocia">Eudocia</a> (439–466/474) verlobt, der Tochter von Kaiser <a href="Valentinian_III." title="Valentinian III.">Valentinian III.</a> (419–455). Vorher war Hunerich bereits mit der Tochter des Westgotenkönigs <a href="Theoderich_I." title="Theoderich I.">Theoderich I.</a> verlobt oder verheiratet, was ein noch früheres Geburtsdatum Hunerichs nahelegt. Sein Vater Geiserich löste allerdings die Verbindung und schickte die Braut verstümmelt an Theoderich zurück, weil sie angeblich versuchte, ihn zu vergiften.
</p><p>Nach der <a href="Pl%C3%BCnderung_Roms_(455)" title="Plünderung Roms (455)">Plünderung Roms im Jahr 455</a> durch die Vandalen entführte Geiserich die Kaiserinwitwe <a href="Licinia_Eudoxia" title="Licinia Eudoxia">Licinia Eudoxia</a> (422–462) mit ihren Töchtern Eudocia und <a href="Placidia" title="Placidia">Placidia</a> nach Africa. Eudoxia wurde nachgesagt, sie habe Geiserich aus Rache gerufen; dieses Gerücht stieß aber bereits in den Quellen auf erhebliche Skepsis und ist auch nicht glaubwürdig. Ein Grund für den Rombesuch Geiserichs war wohl die Heimführung Prinzessin Eudocias, der Verlobten seines Sohnes, um endlich das Heiratsversprechen einzulösen – denn sie war bereits 16 Jahre alt. Ab 455/456 waren sie verheiratet. Sie hatten einen Sohn <a href="Hilderich" title="Hilderich">Hilderich</a> (455/460–533), der 523 bis 530 König der Vandalen war. Eudocia ging 464 oder 472 nach <a href="Jerusalem" title="Jerusalem">Jerusalem</a>, angeblich auf der Flucht vor ihrem <a href="Arianismus" title="Arianismus">arianischen</a> Ehemann, wo sie 466 oder 474 starb.
</p><p>Hunerich wurde 477 als Nachfolger Geiserichs König der Vandalen (korrekt wäre „König der Vandalen und Alanen“). Er wurde von den Quellen negativ beurteilt und soll mögliche Thronanwärter wie seinen Bruder Theuderik und seinen Neffen Godagis verbannt haben, um seinem Sohn Hilderich die Thronfolge zu sichern.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In den Jahren 483/484 ordnete Hunerich, der <a href="Arianismus" title="Arianismus">arianischer Christ</a> war, eine Verfolgung der <a href="R%C3%B6misch-katholische_Kirche" title="Römisch-katholische Kirche">Katholiken</a> in seinem Reich an. Für diese ist die wenig später vom katholischen Bischof Victor von Vita (nordafrikanische Provinz Byzacena) verfasste <i>Historia persecutionis Africanae provinciae</i> die wichtigste Quelle, die freilich nicht völlig objektiv ist. Trotz subjektiver Färbung ist die Verfolgung aber offenbar mit großer Härte durchgeführt worden.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auf Widerstand stießen die Vandalen im Bergland <a href="Numidien" title="Numidien">Numidiens</a>, wo sich die <a href="Berber" title="Berber">Berber</a> unter ihrem Führer <a href="Masties" title="Masties">Masties</a> selbstständig machten.
</p><p>Der Hintergrund der Verfolgung war vermutlich weniger religiöser Fanatismus, vielmehr wurde Hunerich wohl von realpolitischen Motiven geleitet. Die noch immer engen Bindungen der katholischen Kirche Nordafrikas zum römischen Kaiser und der damit verbunden römischen <a href="Reichsidee" title="Reichsidee">Reichsidee</a>, die eine Gefahr für die Legitimität des Vandalenreichs darstellte, sollten wahrscheinlich durch die Verfolgung gekappt werden. Dazu passt, dass sich Hunerich zunächst um eine Verständigung bemühte und auch die Besetzung vakanter katholischer Bischofssitze gestattete. Victor von Vita berichtet auch von Religionsgesprächen zwischen Katholiken und Arianern, die Hunerich für den 1. Februar 484 nach <a href="Karthago" title="Karthago">Karthago</a> einbestellte. Einer der geladenen Bischöfe war <a href="Vigilius_von_Thapsus" title="Vigilius von Thapsus">Vigilius von Thapsus</a>, von dem einige theologische Streitschriften stammen. Nach dem Scheitern der Gespräche erließ Hunerich am 7. und 25. Februar 484 Edikte zur Verfolgung der Katholiken, die sich eng an die kaiserliche Ketzergesetzgebung anlehnten.
</p><p>Gleichzeitig präsentierte sich Hunerich im Vandalenreich als Nachfolger der römischen Kaiser, etwa indem er Gesetze erließ, die sich eng an die römischen Vorbilder hielten, oder die Hafenstadt <a href="Hadrumetum" class="mw-redirect" title="Hadrumetum">Hadrumetum</a> in <i>Uniricopolis</i> umbenannte.
</p><p>Am 23. Dezember 484<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> starb Hunerich. Sein Nachfolger wurde sein Neffe <a href="Gunthamund" title="Gunthamund">Gunthamund</a>, der Sohn seines jüngeren Bruders <a href="Gento" title="Gento">Gento</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Helmut_Castritius" title="Helmut Castritius">Helmut Castritius</a>: <i>Die Vandalen</i>. Kohlhammer, Stuttgart u.&nbsp;a. 2007.</li>
<li><a href="Hans-Joachim_Diesner" title="Hans-Joachim Diesner">Hans-Joachim Diesner</a>: <i>Vandalen VI a (Hunerich).</i> In: <i><a href="Paulys_Realencyclop%C3%A4die_der_classischen_Altertumswissenschaft" title="Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft">Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft</a></i> (RE). Supplementband X, Stuttgart 1965, Sp.&nbsp;957–962.<span class="error">Vorlage:RE: Ungültige Bandnummer.</span></li>
<li><a href="Hermann_Reichert" title="Hermann Reichert">Hermann Reichert</a>, <a href="Helmut_Reimitz" title="Helmut Reimitz">Helmut Reimitz</a>:&nbsp;<i>Hunerich.</i> In: <i><a href="Reallexikon_der_Germanischen_Altertumskunde" title="Reallexikon der Germanischen Altertumskunde">Reallexikon der Germanischen Altertumskunde</a></i> (RGA). 2. Auflage. Band 15, Walter de Gruyter, Berlin / New York 2000, ISBN 3-11-016649-6, S.&nbsp;241–243. (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=C3yO2zzdfOUC&amp;lpg=PP1&amp;hl=de&amp;pg=PA241#v=onepage&amp;q&amp;f=false">online</a>)</li>
<li>John Robert Martindale: <i><a href="The_Prosopography_of_the_Later_Roman_Empire" title="The Prosopography of the Later Roman Empire">The Prosopography of the Later Roman Empire</a></i> (PLRE). Bd. 1, Cambridge University Press, Cambridge 1971, S. 572f. (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://books.google.de/books?id=G5W6vCO_pYUC&amp;q=Hunerich&amp;hl=de#v=onepage&amp;q=Hunericus&amp;f=false">online</a>)</li>
<li>Roland Steinacher: <i>Die Vandalen. Aufstieg und Fall eines Barbarenreichs.</i> Klett-Cotta, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-608-94851-6, S. 235ff.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anmerkungen">Anmerkungen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. <a href="Hans-Joachim_Diesner" title="Hans-Joachim Diesner">Hans-Joachim Diesner</a>: <i>Vandalen VI a (Hunerich)</i>. In: RE Supplementband X. Stuttgart 1965, Sp. 957; <a href="The_Prosopography_of_the_Later_Roman_Empire" title="The Prosopography of the Later Roman Empire">PLRE</a> Bd. 1, 572f.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans-Joachim Diesner: <i>Vandalen VI a (Hunerich)</i>. In: RE Supplementband X. Stuttgart 1965, Sp. 957.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Martina_Hartmann" title="Martina Hartmann">Martina Hartmann</a>: <i>Die Königin im frühen Mittelalter</i>. Stuttgart 2009, S. 6ff.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans-Joachim Diesner: <i>Vandalen VI a (Hunerich)</i>. In: RE Supplementband X. Stuttgart 1965, Sp. 961f.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Siehe PLRE Bd. 1, S. 573. Je nach Quelle kommt auch der Sommer 484 als Todeszeitpunkt in Frage, vgl. auch Martina Hartmann: <i>Die Königin im frühen Mittelalter</i>. Stuttgart 2009, S. 8.</span>
</li>
</ol>
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